Sind Alpzäune als Herdenschutz anerkannt?

Immer wieder steht zur Diskussion, ob ein Litzen-oder Drahtzaun (elektrifiziert), wenn dieser gemäss den Weisungen „Wolfschutzzäune auf Kleinviehweiden“ (Weisung Agridea) erstellt wurde, als Herdenschutz auf einer Alp akzeptiert wird? Dasselbe gilt für Elektrozäune. Einige Alpen wurden letztes, sowie dieses Jahr gemäss diesen Vorgaben eingezäunt. An Orientierungsversammlungen betreffend Alpbewirtschaftung wurde unter anderem gesagt, dass solche Zäune lediglich als Beweidungssystem, jedoch nicht als Herdenschutz vom BAFU akzeptiert werden.

Mittlerweile fragen sich viele Schäfer, was nun richtig sei.
Gemäss der Jagdverordnung (JSV) erachtet und fördert der Bund insbesondere die folgenden Massnahmen zum Schutz gegen Grossraubtierübergriffe:
Herdenschutzhunde und Elektrozäune um Bienenstöcke (Art. 10ter Abs. 1 Bst. a und b JSV). Dies weil Erfahrungen in der Schweiz und im angrenzenden Ausland gezeigt haben, dass der Schutz mit Herdenschutzhunden am effizientesten Grossraubtierübergriffe abwehrt.
Sollten die oben beschriebenen Massnahmen nicht ausreichen oder zweckmässig sein, dann können die Kantone weitere Massnahmen ergreifen (Art. 10ter Abs. 2 JSV). Diese Massnahmen müssen jedoch einen effizienten und wirksamen Schutz bieten. Mit den heutigen Erfahrungen fördert dabei das BAFU insbesondere folgende Massnahmen:
Nachtpferche im Sömmerungsgebiet: wenn diese vom Kanton speziell empfohlen bzw. angeordnet werden, zahlt das BAFU 80% der Materialkosten.

Elektrische Verstärkung der Zäune in der LN-Fläche und den Bergzonen I bis IV: In der LN-Fläche bieten bereits handelsübliche Elektrozäune einen ausreichend Schutz vor Grossraubtieren (Erfahrungen Schweiz und Deutschland: Spannung von min. 3000 Volt). In diesen Flächen werden Nutztiere grundsätzlich mit Zäunen geführt, häufig kontrolliert, auf übersichtlichen Weiden gehalten und ev. auch nachts eingestallt. Deshalb erachtet das BAFU die Anschaffung, Installation und Unterhalt der Zäune in der LN-Fläche zur Weideführung der Nutztiere als übliche Praxis der landwirtschaftlichen Produktion und als abgegolten durch die Direktzahlungen. Um keinen Mitnahmeeffekt zu generieren, werden diese regulären Zäune nicht speziell entschädigt. In Regionen (in den Bergzonen I bis IV und im Sömmerungsgebiet bei nachweislicher Präsenz von Wolf oder Bär) jedoch wo die ortsüblichen, traditionellen Schafzäune nicht elektrifiziert sind, können die Kantone die elektrische Verstärkung als wirksame Herdenschutzmassnahme vorsehen. Das BAFU finanziert dann 80% der Materialkosten für die elektrische Zaunverstärkung (max. 0.70 CHF / Laufmeter Zaun). Das Erstellen von zauntechnischen Anlagen im unzugänglichen Sömmerungsgebiet, zum potentiellen Schutz vor Grossraubtiere, ist oft aus Gründen der Topografie weder technisch möglich noch zumutbar (Der Wolf kann in solchen Gebieten aufgrund der unebenen Topografie die Schutzzäune oft untergraben oder überspringen).Grundsätzlich erachtet das BAFU deshalb die Errichtung von Zäunen im Sömmerungsgebiet per se nicht als effektive Herdenschutzmassnahme, sondern als Beweidungssystem.

Mehr zum Thema Wolf auf der Seite des BAFU sowie die Jagdverordnung.