Ferden – ein würdiger Gastgeber

Am 26. Februar 2017 fand die Verbandsversammlung 2017 des Oberwalliser Schwarznasen Schafzuchtverbands in Ferden statt.
Am 26. Februar 2017 fand die Verbandsversammlung 2017 des Oberwalliser Schwarznasen Schafzuchtverbands in Ferden statt.

Sie haben sich gut geschlagen, die 10 Mannen unter der Genossenschaftspräsident Amalia Jeitziner und dem OK Präsidenten Fabian Ambord. Wahrscheinlich haben alle Ferdner SN-Züchter gute Geister in ihrer Familie. Ausserdem können sie auf die Kollegenhilfe der Lötschentaler WAS-Züchter zählen. Die Hallendekoration, passend zum Lötschental und zu den Schäfern wusste zu gefallen und das Essen kam heiss auf den Tisch und schmeckte hervorragend.

Erfrischend anders, mit viel Witz und Charme vorgetragene, auch die Begrüssung der SN-Delegierten durch OK Präsident Fabian Ambord und Gemeindepräsidentin Nadja Jeitziner.
Erfrischend anders, mit viel Witz und Charme vorgetragene, auch die Begrüssung der SN-Delegierten durch OK Präsident Fabian Ambord und Gemeindepräsidentin Nadja Jeitziner.

Gut geschlagen hat sich auch der Vorstand des Oberwalliser Schwarznasenverbands unter Präsident Daniel Steiner. Die über drei Stunden dauernde Verbandsversammlung war kein bisschen langweilig. Wäre nicht von Zeit zu Zeit ein Lüftchen aus der Küche in den Saal gekrochen, wäre einem der Hunger gar nicht bewusst geworden auch nach der Zeit, an der sogar die Herrschaften normalerweise zu speisen pflegten.
Die Traktanden konnten ordnungsgemäss und ohne Zwischenfälle abgearbeitet werden. Beim Protokoll der Versammlung 2016 sowie den Finanzen 2016 und 2017 musste nicht einmal nach dem Gegenmehr gefragt werden, da laut Präsident Steiner schon alle Karten bei der ersten Frage hochgehalten wurden.

Der Jahresbericht des Präsidenten wusste Emotionen zu wecken. Mit eindrücklichen Schilderungen und Bildern liess er das vergangene Jahr Revue passieren, welches im Besondern den Schäfern und Geisselern der Augstbordregion viel Arbeit und viel Kummer brachte. Meister Isegrim und die Gruppe Wolf Schweiz Und doch gab es auch schöne Momente im Verbandsjahr, etwa beim Widdermarkt, bei der Nachpunktierung oder bei den Herbstschauen mit den einzelnen Jubiläumsschauen und bei der SN-Ausstellung am 11./12. Februar 2017.

Das Verbandsjahr brachte gute und schlechte Tage
Das Verbandsjahr brachte gute und schlechte Tage

Das Ausstellungsreglement wurde in keinem Artikel hinterfragt und im Anschluss einstimmig genehmigt. Es wurde bei der letzten Ausstellung bereits erprobt und es hat die Feuertaufe so gut überstanden, dass es fortan auch gelten soll.

Beim Beitragswesen steht die Änderung an, dass jeder Züchter/Halter seinen Beitrag neu selber an den Schweizerischen Schafzuchtverband bezahlt. Zum einen den Beitrag von zehn Franken je Züchter/Halter, zum anderen Fr. 1.20 pro Herdenbuchtier. Stichtag für die Beitragsberechnung wird der 1. Juni 2017 sein. Sheep-Online liefert die Daten. Die Schafzüchter und –halter sind also aufgerufen, ihre in Sheep-Online gemeldeten Daten unbedingt vor dem 1. Juni zu prüfen und korrigieren.

Auch das Abonnement für die Zeitschrift FORUM wird fortan von jedem Züchter/Halter direkt einkassiert. Es handelt sich gemäss DV-Beschluss des SSZV vom 2. März 1996 in Brig um ein Pflichtabonnement.

Auch das Schauwesen und die Schauprämien erfahren eine Änderung. Sämtliche Geldflüsse müssen sowohl von den einzelnen Genossenschaften wie vom Oberwalliser Verband dokumentiert sein und an den Schweizerischen Schaftzuchtverband eingereicht werden.
Auch das Schauwesen und die Schauprämien erfahren eine Änderung. Sämtliche Geldflüsse müssen sowohl von den einzelnen Genossenschaften wie vom Oberwalliser Verband dokumentiert sein und an den Schweizerischen Schaftzuchtverband eingereicht werden.

Zwischendurch gab es eine ganze Reihe von Gastrednern, besonders erwähnt sei Ständerat Beat Rieder, der den Lötschentaler Schäfern ein ganz besonderes Kompliment machte: „Ohne Schafe wäre das Lötschental nur halb so viel wert. Im Weiteren erläutert er, dass die Landwirtschaft besonders bei den Budgetberatungen in den letzten zwei Jahren gut weggekommen sei. Allerdings sei das Budget der Landwirtschaft in den letzten zehn Jahren auch nicht gestiegen, so sei das Kürzen leichter zu verhindern gewesen. Ständerat Rieder ist sich bewusst, dass die Bauern zu 99.9% Sorge zu ihren Tieren trage. Aber genau das 0.1 Prozent von Tierhaltern, die aus welchen Gründen auch immer die Sorgfalt gegenüber den Tieren vernachlässigen, erweist der Landwirtschaft eine Bärendienst, der viele Jahre Arbeit von Verbänden und der Politik kaputt macht. Bezüglich Grossraubtier-Schutz sei Einiges, ja gar recht viel in Bewegung gekommen. Erstmals hätten das BAFU und die Departementsvorsteherin zugegeben, dass das Prädikat „Streng geschützt“ bezüglich Wolf wohl zu streng sei. Das ist nun doch schon ein gewaltiger Fortschritt gegenüber bisherigen Aussagen. Als der Ständerat sich am Morgen überlegte, was er den Schäfern sagen wolle, sei er auf folgende zwei Schlagzeilen aufmerksam geworden: In der NZZ stand zu lesen, dass ganze Rentierherden vom Wolf überfallen und ausgelöscht würden. Genauso wie bei Schafen und Ziegen ist auch bei den Rentieren eine massive Gefährdung einer Kultur, eines tiefen Wertes einer Region. Bei Aktenzeichen XY ungelöst sei ihm aufgefallen, dass für Hinweise zur Festnahme eines Frauenmörders 3000 Franken ausgesetzt wurden. Eine andere Gruppe habe 10‘000 Franken für den Hinweis auf einen Wilderer ausgesetzt. Der Wolf sei in seinen Augen nicht mehr allein ein Schäferproblem sondern ein Kulturproblem, beendet Ständerat Beat Rieder seine Ausführungen.

Kantonstierarzt Dr. Jérome Barras berichtet von der aktuell für das Wallis sehr ruhigen Seuchenlage. Auch die Blauzungenkrankheit, welche im Frühjahr/Sommer auch im Wallis auftreten könnte, bedeutet nicht in erster Linie Gefahr für die Schafe sondern mehr für das Rindvieh. Eine angeordnete grossflächige Impfung will man aber nicht durchführen. Vielmehr soll sich jeder Tierhalter selber dazu entscheiden. Dr. Barras verweist auf die Problematik der Moderhinke. Der Entscheid zur flächendeckenden Sanierung dürfte im Jahr 2018 fallen. Das wird eine grosse Herausforderung im Besondern beim Tierverkehr, bei der Alpung sowie beim Aufführen auf Märkten und Ausstellungen. Dr. Barras gab zum Abschluss zu Protokoll dass er bei Beginn seiner Tätigkeit als Kantonstierarzt nicht gewusst habe, wie tief die Kultur der Schafzucht im Oberwallis verankert sei. Die Oberwalliser Schäfer liebten ihre Schafe wie Leute im urbanen Raum etwa ihren Hund, ihr Pferd oder ihre Hauskatze.

Monica Duran von der OLK, Fabian Schwery vom WAS-Verband, und Reinhard Grand vom OZIV überbrachten die Grussadressen ihrer Organisationen.

André Summermatter berichtete von den aktuellsten Entwicklungen beim Kanton in Herdenschutz. Der Herdenschutz besteht auf zwei Ebenen, zum einen die Ebene Politik, Verbände, Gesellschaft und andern die Ebene Landwirt, der mit der Realität zurecht komment muss, d.h den Herdenschutz handhaben muss. Der Kanton will eine Strategiegruppe ins Leben rufen, darin sollen die Dienststelle für Landwirtschaft, Die Dienststelle für Jagd, Fischerei und Wildtiere, die Herdenschutz GmbH und ein Vertreter Landwirtschaft, OLK-Kommission Grossraubtiere vertreten sein. Alle betroffenen Kreise sollen sich am Runden Tisch zu Information und Erfahrungsaustausch treffen. Der Kanton Wallis muss die Geltenden Rechte (Gesetze und Verordnungen) umsetzen. Der Kanton ist bestreb die den Bewirtschaftern zu helfen damit die Kulturlandschaft und Landwirtschaft bestehen bleibt. Der Kanton Wallis hat ein Herz und/aber muss dem Verstand und den Regeln folgen. Die Ziele 2017 sind die Umsetzung der neuen Organisation und die Anpassung des Praktischen Leitfadens Herdenschutzpolitik des Kantons. In Zusammenarbeit mit dem Kanton Uri erstellt der Kanton Wallis eine Sudie über die totalen Kosten des Herdenschutz für die Umsetzung der Schafalpplanung und den Aufbau des Herdenschutz. Weiter muss die Kantonale Organisation des mobilen Herdenschutzes mit Hunden aufgebaut werden und die Unterkunfstssituation auf den Alpen verbessert werden.

Georges Schnydrig überbrachte die neuesten Entwicklungen beim Verein Lebensraum Schweiz ohne Grossraubtiere. Das Verständnis, die Wolfsproblematik anzuerkennen wachse sowohl in der Politik als auch bei den Kantonen. Er erwähnt als Beispiel die Vereinsgründung in der Zentralschweiz, an welcher über 500 Personen anwesend waren.

Alwin Meichtry überbrachte der Versammlung die Informationen zum 100jährigen Jubiläum des Schweizerischen Schafzuchtverbands. Mehr erfahren Sie unter sszv.ch.
Alwin Meichtry überbrachte der Versammlung die Informationen zum 100jährigen Jubiläum des Schweizerischen Schafzuchtverbands. Mehr erfahren Sie unter sszv.ch.

Rinaldo Pfammatter lud zu den nächsten Veranstaltungen ein, nämlich
Widdermarkt am 11. März, Widder Eliteschau an der BEA Bern am 29. April, 75 Jahre Kleinviehmarkt am 23. Und 24. September in Bulle mit dem SN-Verband als Gastsektion. Ausstellung 2018 am 17./18. Februar und die nächste Verbandsversammlung am 25. Februar in Gamsen/Glis. Die wollannahmen sind geplant am 28.und 29. April sowie am 27.und 28. Oktober.

Bei den Ehrungen standen mehrere Jubiläen bei den Zuchtbuchführern an:
45 Jahre: Oggier Rudolf, Genossenschaft Turtmann
35 Jahre: Schwery Alwin, Genossenschaft Ried-Mörel
20 Jahre: Eyer Manfred, Genossenschaft Ried-Brig; Weyermann Martin, Genossenschaft Baltschieder; Schnydrig Jean-Claude, Genossenschaft Grächen
15 Jahre: Leiggener Rolf, Genossenschaft Ausserberg, Abgottspon Hermann, Genossenschaft Staldenried.

Zu Ehrenmitglieder ernannt wurden Dietmar Walker von Grächen für 15 Jahre Expertenarbeit sowie Alfons Leiggener von Ausserberg für 34 Jahre Expertenarbeit. Alfons Leiggener hat an 34 Widdermärkten und fast 300 Herbstschauen Richterarbeit geleistet. Das ist in der Tat eine grosse Leistung, die die Ernennung zum Ehrenmitglied mehr als verdient.
Leider konnten einzelne Geehrte nicht persönlich an der Versammlung anwesend sein.

Alfons Leiggener stand von 1982 bis 2016 als Experte im Einsatz.
Alfons Leiggener stand von 1982 bis 2016 als Experte im Einsatz.

Unter dem Traktandum Verschiedenes berichtete Verbandaspräsident Daniel Steiner über die Absicht, den Rassenstandard den heutigen Gegebenheiten anzupassen. Dann gab er die Zahlen aus einer persönlich erstellten Statistik anhand der Rückmeldungen der Alpverantwortlichen WAS und SN bekannt. Im Jahr 2015 beliefen sich die Schafabgänge auf 2.3 Prozent. Davon entfallen 0.1% auf Steinschlag, 02% auf Blitzschlag, 0.7% Abgang unbekannt (es kann sich dabei auch um Tiere handeln, die sich in "Sicherheit" bringen wollten und schliesslich wurden 1.3% der Abgänge Opfer des Wolfs.
Bevor Daniel Steiner die Teilnehmenden endgültig zum Aperitif entliess, brachte er noch die Dankesworte an, an die Organsierenden, die Teilnehmenden, den Vorstand und die Parlamentarier an. 

Weitere Bilder zur Verbandsversammlung 2017